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Wer Bienen hat, hat öfter Schwein Das Bienenzuchtprojekt in Nordamazonien und die Volksbildung
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Stichwort: Urubui |
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Schon seit vielen Jahren wohnt die Familie Schwade in Presidente Figueiredo. So heißt eine etwa 100 km nördlich von Manaus gelegene Kleinstadt in Nordamazonien, die mittlerweile durch ihre vielen Wasserfälle, den herrlichen Wald und die Picknickplätze ein bekannter Erholungsort geworden ist.
Die Schwades unterhalten dort das „Kulturhaus Urubuí“, in dessen Tagungsräumen sich Basisgruppen aus der näheren Umgebung, aber auch aus ganz Amazonien treffen und Veranstaltungen durchführen. Auch die Universität Manaus oder der Indianermissionsrat (CIMI) nutzen das Gebäude für Vorträge, Seminare und Ausbildungskurse. Im Obergeschoss des Gebäudes ist eine Bibliothek untergebracht. In ihr kann sich der Benutzer über Amazonien, seine Wirtschaft, Geschichte, indianischen Kulturen, Pflanzen, Tiere und andere die Großregion betreffende Themen kundig machen. An keiner anderen Stelle in Brasilien gibt es mehr Veröffentlichungen über das tragische Schicksal der Waimiri-Atroari, dieses indianische Doppelvolk, das einst das ganze Gebiet zwischen Manaus und der brasilianisch-venezolanischen Grenze besiedelte, bevor es in diesem Jahrhundert durch mehrere Vernichtungskriege fast vollständig ausgelöscht wurde.
Doroti und Egydio Schwade arbeiteten früher in einem Dorf der Waimiri-Atroari, bis sie vom staatlichen Indianerdienst (FUNAI) hinausgeworfen wurden. Der Kontakt zu den Indianern ging danach fast völlig verloren, riß aber nie ganz ab.
Schon seit Anfang der 90er beschäftigen sich die Schwades mit der Imkerei. Im „Kulturhaus Urubuí“ finden regelmäßig Ausbildungskurse für werdende Imker statt. Immer mehr Regenwald in Amazonien geht durch die ungehemmte Abholzung und die Brandrodung verloren. Die brasilianische Regierung hat zwar gegenüber dem Ausland versprochen, Maßnahmen gegen diesen Raubbau an der Natur und den Interessen Brasiliens und der Welt zu unternehmen, aber bisher ist wenig geschehen, viel zu wenig. Gerade die Kleinbauern, die aus anderen Landesteilen Brasiliens stammen, nach Amazonien einwandern und von den dortigen Gegebenheiten keine Ahnung haben, roden unverhältnismäßig viel Land. Meistens können sie nur wenige Jahre von dem leben, was sie auf den frisch gerodeten Parzellen ernten. Die Imkerkurse richten sich deshalb nicht nur an die Indianer und andere Amazonier, sondern gerade auch an diese Zuwanderer. Denn wer Bienen züchtet, hat mehr „Schwein“ als derjenige, der nur Maniok, Reis und schwarze Bohnen anbaut und vielleicht tatsächlich Schweine züchtet.
Jeder weiß, dass die Bienen ohne Wald nicht leben können. Wer also Bienen züchtet, versteht schon etwas mehr von den Kreisläufen im Regenwald als ein blutiger Anfänger und wird alles tun, damit dieser Wald auch erhalten bleibt. Zudem kann der Imker auf dem örtlichen Markt für gute Ware Geld verdienen und sein meistens kärgliches Einkommen verbessern. |
Darauf bauen auch die Schwades. Idealismus allein hilft nicht. Den Amazoniern muss eine wirtschaftliche Alternative geboten werden zur bisherigen Kahlschlagwirtschaft. Dazu kann die Imkerei einen wichtigen Beitrag leisten. Die ältesten Kinder sind mittlerweile schon erfahrene Imker und helfen den Eltern bei der Durchführung der Kurse. Selbst aus Manaus kommen die Kunden nach Presidente Figueirdeo, um Honig zu kaufen, denn die Schwades bieten erstklassige Qualität - goldgelben, zartflüssigen, schmackhaften Honig. In den Geschäften kann es einem immer wieder passieren, dass man auf gepanschte Ware hereinfällt. Selbst Gesundheitsschäden sind dabei nicht ausgeschlossen. So nimmt er nicht Wunder, dass auch Besitzer von Feinkost- und Gesundheitsläden in dem Holzhaus in der Rua Cupiaba einkaufen. Zu den Honigbeziehern gehören aber auch viele Klein- und Kleinstverdiener, denn der Preis für ein Glas Honig ist niedrig. Mittlerweile kommen auch Waimiri-Atroari aus dem benachbarten Reservat und kaufen ein. Einige Waimiri-Atroari haben auch schon aus Ausbildungskursen teilgenommen. Auf Umwegen konnten die Schwades also doch noch Kontakte zu den beiden Völkern aufnehmen.
Hier geht es zu einem Interview mit Egydio und Doroti Schwade. |
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Kontakt zum Projekt über Bernd Lobgesang.