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Theologie in den Tropen Abendliches Bildungsangebot der UNIPOP
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Stichwort: ACER |
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Saber é poder, Wissen ist Macht, so lautete jahrelang das Motto der Universidade Popular in Belém im Norden Brasiliens. Die UNIversidade POPular, kurz: UNIPOP, sorgte und sorgt mit ihrem abendlichen Bildungsangebot dafür, dass engagierte Menschen sich weiterbilden können. Menschen, die in ihren Basis-Organisationen bereits Leitungsfunktionen übernommen haben; Menschen, die im staatlichen Bildungssystem auf der Strecke geblieben sind, wobei diese Tatsache so gut wie nichts über ihre Intelligenz und ihre Fähigkeiten aussagt. Die Schülerinnen und Schüler der UNIPOP sind erwachsene Menschen, eher aus den ärmeren Schichten, beruflich tätig oder arbeitslos, die ihre freien Kapazitäten in Gewerkschaften, Kirchen und freien Basisgruppen einsetzen und die Hunger nach Wissen und Bildung in die abendlichen Kurse treibt. Da ist zum Beispiel Djalma, aktives Mitglied der CEDENPA (Organisation der Schwarzen: Centro em Defesa do Negro do Pará), der in seiner Freizeit in einer der Vorstädte Beléms Fußballspiele organisiert, um den Kindern, die sich auf den Straßen herumtreiben und oft genug immer aggressiver auftretende Banden bilden, eine Freizeitbeschäftigung zu bieten. Da ist Nilce, Angestellte bei der Menschenrechtsorganisation SDDH, oder Vanda, die im pädagogischen Programm der lutherischen Kirche im Stadtteil Vila da Barca mitarbeitet. Diese jungen Leute sind täglich mit sozialen Problemen konfrontiert und suchen nach Reflektionsmöglichkeiten über Ursachen und mögliche gesellschaftlich Veränderungen. Um so etwas zu reflektieren, brauchen sie Hintergrundwissen. Und genau das wird ihnen in der UNIPOP vermittelt. Zwei mehrmonatige Grundkurse können sie hier belegen: den politisch-ökonomischen und den biblisch-ökumenischen Grundkurs. Die meisten, die einen von beiden absolviert haben, belegen kurz darauf den anderen. Denn sie stellen fest: Wirtschaft, Gesellschaft und Religion sind eng verknüpft, und es ist gut, sie auf ihre Auswirkungen für die Bevölkerung hin durchschauen zu können. Zum Beispiel Religion: Es macht einen grundsätzlichen Unterschied, ob Menschen beigebracht wird, hinter allem, was auch geschieht, den Willen Gottes zu sehen und ihr Schicksal ergeben zu akzeptieren: "Se Deus quiser...", "Wenn Gott es so will..." Oder ob der Glaube die Kraft ist, die eingesetzt wird, um das, was eigentlich dem Willen Gottes entspräche (Gerechtigkeit!), in die Tat umzusetzen. Dass Glaube als Machtmittel zur Unterdrückung missbraucht werden kann, aber vom biblischen Ursprung her befreiende Kraft ist, das lernen die Schülerinnen und Schüler der UNIPOP im biblisch-ökumenischen Grundkurs. Sie empfinden es als große Bereicherung, aber eigentlich verstärken diese Kurse den Wunsch nach grundlegendem Wissen nur noch mehr. So hat sich, aufgrund von Nachfragen von Kurs-Absolventinnen und -Absolventen, in den letzten Jahren ein Bildungsangebot gerade in ökumenischer Theologie entwickelt, das von seinem Curriculum her schon ein ganzes Studium umfasst. In insgesamt 9 Semestern können die Teilnehmenden in Abendkursen alle dazugehörenden Fächer studieren: Vom Alten Testament über Religionssoziologie hin zur lateinamerikanischen Kirchengeschichte umfasst das Studium insgesamt 45 Seminare à 30 bzw. 60 Unterrichtsstunden. Die Dozentinnen und Dozenten übernehmen diese Kurse neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit an verschiedenen Hochschulen und Bildungseinrichtungen in Belém. Sie sind in der Mehrzahl katholisch, wie auch ihre Schülerinnen und Schüler. Doch inhaltlich wie auch personell ist der Kurs ökumenisch ausgerichtet. So gehören einige der Lehrenden protestantischen Kirchen an wie der methodistischen, lutherischen oder baptistischen Kirche, und auch die Studierenden stammen aus verschiedenen Denominationen, darunter sind sogar einige wenige Pfingstler. Da der Kurs in die langjährige Zusammenarbeit ökumenisch engagierter Hauptamtlicher und Laien eingebettet ist, bildet er keinen Fremdkörper im Bildungsangebot, sondern ist die logische Fortführung einer langen Entwicklung. Auf diese Weise haben Anfang diesen Jahres 27 Erwachsenen verschiedener kirchlicher und sozialer Herkunft und verschiedenen Alters nach 4 - 5 Jahren Abendstudium ihren Abschluss in Ökumenischer Theologie gemacht. Nicht alle von ihnen konnten die Kursgebühren bezahlen, obwohl diese vergleichsweise niedrig liegen. Nicht alle werden diese Ausbildung unmittelbar beruflich nutzen können, aber sie bietet ihnen bessere Voraussetzungen, sich auch auf Stellen außerhalb der Kirchen zu bewerben. Zwei von ihnen haben während des Studiums an anderen theologischen Fakultäten Gastsemester absolviert, ein Modell, das noch ausgebaut werden soll. Allerdings gibt es noch Probleme mit der Finanzierung des gesamten Projekts. Da die Lehrenden in angemessener Form bezahlt werden, die Studierenden aber eher zur ärmeren Bevölkerung gehören, decken die Studienbeiträge die Kosten längst nicht ab. Das Projekt ist auf Zuschüsse von außen angewiesen. So wurden u.a. Mittel beim Evangelischen Missionswerk in Hamburg beantragt, das ab 2005 für drei Jahre jeweils 12.000,- € bewilligte. Dennoch bleibt eine beträchtliche Summe offen. Zum Beispiel konnte die Organisation des Projekts nicht länger ehrenamtlich bewältigt werden. So ist das Gehalt einer Geschäftsführerin dazu gekommen, die von der Trägerorganisation ACER in Belém eingestellt wurde. |
"Ökumenisches Theologie-Studium im Amazonasgebiet" - dieses Projekt könnte von weiteren Organisationen unterstützt werden, die eine Zusammenarbeit der Kirchen fördern möchten, eine Zusammenarbeit, bei der es nicht nur um den Austausch theologischer Positionen geht, sondern um ein christliches Engagement zugunsten gesellschaftlicher Veränderungen in Richtung Gerechtigkeit. "Ökumenisches Theologie-Studium im Amazonasgebiet" - dieses Projekt könnte auch von Menschen hier unterstützt werden, die engagierten Erwachsenen in Belém eine Fortbildung ermöglichen wollen, die diese vielleicht nicht selbst bezahlen können. In der "Brasilien-Hilfe" denken wir zur Zeit über die Gründung eines Stipendien-Fonds nach, der von den Absolventinnen und Absolventen des Kurses, wenn sie entsprechend verdienen, wieder refinanziert werden soll. "Ökumenisches Theologie-Studium im Amazonasgebiet" kann nicht zuletzt für uns hier eine Herausforderung bedeuten, die eigenen ideologischen und Glaubensgrundlagen auf ihre Auswirkungen für persönliches und gesellschaftliches Engagement hin zu befragen. Vielleicht könnte ein partnerschaftlicher Dialog mit der Ökumene in Belém auch uns zu neuem Lernen anregen? "Saber é poder"!
Doris Jäger
Pastorin in Osnabrück. War nach ihrem 2. Theologischen Examen für 2 1/2 Jahre Mitarbeiterin der UNIPOP (Universidade Popular) in Belém.
Der Beitrag erschien in den Brasilien Nachrichten 133/2006 |
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Kontakt zum Projekt über Doris Jäger. |
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